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Eberhard
Schoener überschreitet Grenzen, lässt seine Vergangenheit hinter sich,
um doch wieder zu ihr zurückzukehren. Er setzt sich mit Musik vorurteilsfrei
auseinander, liefert sich fremden Einflüssen aus, um dann zielsicher seine
eigenen Wege zu verfolgen. Eberhard Schoeners Arbeit zu beschreiben ist
schwierig: zuviel unterschiedliche Kompositionen, Projekte und Events
sind entstanden.
Eberhard Schoener ist klassisch
ausgebildeter Geiger und Dirigent (Nordwestdeutsche Musikakademie Detmold).
Doch die Zeiten waren viel zu unruhig - und er auch. Keine künstlerischen
Festlegungen wollte er spüren, neue Wege versuchen, dabei jedoch nicht
abdriften in elitäre Winkel der sogenannten Neuen Musik. "Die Komponisten
wollten sich damals wie heute nur intellektuell verstanden wissen - Gefühle
waren tabu."Er nahm mit dem Moog Synthesizer die h-moll-Suite von Bach
auf - ein Sakrileg - arbeitete gemeinsam mit der Rockband Deep Purple
und dem Tölzer Knabenchor an einer zeitgemäßen Deutung der Krönungsmesse
von Mozart. Die Klassiker stöhnten auf, die Avantgarde zuckte zusammen
- Eberhard Schoener gehörte spätestens ab jetzt zu keiner Gruppierung
mehr. Er jedoch fand immer mehr zu seinem eigenen Stil.
Diese
musikalische Entwicklung fand ihre Entsprechung nicht in Europa, sondern
in den USA. Komponisten wie Steve Reich, Phil Glass, Meredith Monk oder
später Tom Waits fanden - frei von allen Zwängen des europäischen Kulturbetriebes
- ihr musikalisches Material in der klassischen Musik Europas, kombinierten
es mit Jazz, Rockmusik, mit Elektronik. Es entstand eine zeitgenössische
Musik, mitunter sentimental (Lessing hat es mit empfindsam übersetzt)
und auch naiv. Kühn benützten sie Klischees.
Diesem
selbstverständlichen Umgang mit Gefühlen (jedes Klischee ist anfänglich
ein Durchbruch in eine neue Erfahrungsdimension) fühlte sich Eberhard
Schoener verwandt. Treffen mit Laurie Andersen, Konzerte wie ein Brecht/Weill-Abend
mit Sting, Gianna Nannini, Jack Bruce und dem Orchester der Hamburger
Staatsoper im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg oder eine Satellitenübertragung
von der Weltausstellung in Tsukuba, in der Musiker in Japan und München
gleichzeitig zusammen musizierten , Nina Hagen Opernarien sang, begleitet
von der Tokioer Philharmonie oder Aufnahmen mit Willi deVille, öffneten
die Türen des klassischen Musikbetriebes und die Kompositionen von Eberhard
Schoener (insbesondere seine Short Operas "Cold Genius," "Palazzo dell'
Amore, "Beleza Negra" und "Eine Rache") bestätigten die Nähe zu der Kompositionstechnik
der amerikanischen Komponisten. In Virtopera, einer network-opera-in-progress,
fasst Eberhard Schoener jetzt seine Erfahrungen als Operndirigent, Filmkomponist,
Gestalter von Events und Koncept-art für das neue Medium, dem Internet
zusammen.
Aber
auch jetzt geht Eberhard Schoener wieder neue Wege. Alle Kommunikationsmodelle,
Theater, Film, die westlichen Wissenschaften sind linear und logisch.
Diese Denkweise reflektiert die Betonung des Denkens in Kausalitäten.
Dies wurde im Mittelalter der griechischen Gedankenwelt entliehen. Das
Internet bietet nun dem Künstler die Möglichkeit, neue Zusammenhänge herzustellen,
einen neuen Weltinnenraum ( Goethe) zu schaffen. Diese Entdeckung bedeutet
neues prüfendes Wahrnehmen als Methode einzusetzen, den schlagartig "alles
auf einmal Charakter" der Informationen darzustellen, Stimme, gedrucktes
Wort, Bild und Sinneseindrücke simultan geschehen zu lassen. Die Musik,
die Figuren, der Text, die Informationen stehen eher in übereinandergelagerten
Schichten als in einem sequentiellen Verhältnis zueinander. Für Eberhard
Schoener, der immer versuchte, Zusammenhänge herzustellen, eine spannende,
neue Herausforderung.
Wie
viele Künstlern des ausgehenden Jahrhunderts blieb Eberhard Schoener nicht
ausschließlich einer Kunstform verbunden. Er gestaltete Konzerte, die
dem jüngeren Publikum die Schwellenangst vor der Klassik nehmen sollte
(sechs Klassik-Rock- Nächte für die Eurovision), komponierte und inszenierte
"Nachtschicht", ein Multi-Media-Ereignis im stillgelegten Stahlwerk von
Neunkirchen (Saarland), die Eröffnungsfeier der Weltmeisterschaft der
Leichtathletik in Stuttgart, bei der Musiker aus fünf Kontinenten live
zusammen über Satellit mit Musikern im Gottlieb Daimler Stadion spielten,
und eröffnete 1998 den Potsdamer Platz in Berlin.
Für
Eberhard Schoener, der Musik im Zusammenhang mit anderen Kunstformen und
als Ausdruck seiner Zeit empfindet, ist Film und Fernsehen folgerichtig
ein faszinierendes Medium. Er schrieb die Musik zu Filmen und TV Serien,
immer darauf bedacht, die Bilder nicht mit einem modischen Klangbrei zu
überdecken, sondern dramaturgisch zu komponieren.
Bei
Virtopera, seinem Internet-Projekt, kann er nun seine Kreativität mit
all den Erfahrungen seiner unterschiedlichsten künstlerischen Arbeiten
verknüpfen. Virtopera ist seine größte Herausforderung.
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